Verwendungsrechnung Bip Beispiel Essay

Auch schattenwirtschaftliche und illegale Aktivitäten fließen in das Bruttoinlandsprodukt ein

Für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts und der anderen Aggregate der VGR werden grundsätzlich alle wirtschaftlichen Aktivitäten einer Volkswirtschaft erfasst. Dies gilt unabhängig davon, ob diese Aktivitäten den Behörden bekannt sind oder nicht (zum Beispiel Steuer-, Sozialversicherungs-, Statistikbehörden) und auch unabhängig davon, ob sie legal oder illegal ausgeübt werden. Demzufolge enthält das Bruttoinlandsprodukt auch Aktivitäten der Schattenwirtschaft (zum Beispiel Verkäufe ohne Rechnung, Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe am Bau). Im Zuge der Berechnungen wird das Datenmaterial auf mögliche Untererfassung überprüft und bei Bedarf durch Schätzungen ergänzt.

Auf diese Weise soll vor allem die Vollständigkeit ("exhaustiveness") des Bruttoinlandsprodukts beziehungsweise des Bruttonationaleinkommens sichergestellt werden. Allerdings erfolgt in Deutschland kein getrennter Nachweis der Schattenwirtschaft in der amtlichen Statistik.

Eine Besonderheit stellt in der statistischen Praxis die Erfassung von illegalen – also der ausdrücklich verbotenen – Aktivitäten dar. Die EU-weit bedeutsamsten illegalen Aktivitäten – Drogen, Schmuggel und Prostitution – sind seit der VGR-Revision 2014 Teil der amtlichen VGR in Europa. Bezogen auf die Situation in Deutschland bedeutet dies, dass der Handel und die Produktion von Drogen sowie der Schmuggel von Zigaretten seither mithilfe von Schätzmodellen in die VGR-Berechnungen einbezogen werden. Allerdings ist Prostitution in Deutschland grundsätzlich nicht verboten und war damit bereits zuvor im BIP enthalten, und Alkoholschmuggel hat aufgrund der relativ niedrigen Preise in Deutschland wirtschaftlich keine Bedeutung.

Eine andere Möglichkeit, das BIP zu errechnen, setzt an der Nachfrageseite an. Im Rahmen der Verwendungsrechnung (Ausgabenansatz) werden zunächst alle diejenigen Ausgaben ermittelt, die von den Konsumenten und Konsumentinnen eines Landes für den Kauf von Endprodukten aufgebracht wurden. Unter Endprodukten versteht man solche Güter und Dienstleitungen, die unmittelbar gekauft bzw. konsumiert werden und die nicht in einen weiteren Produktionsprozess einfließen (z.B. ein Haarschnitt beim Friseur, ein Privatauto oder eine Urlaubsreise etc.).

Zu dem Wert aller privat erworbenen Endprodukte werden darüber hinaus auch alle die vom Staat erbrachten Konsumleistungen hinzugefügt (z.B. Personalausgaben im öffentlichen Dienst oder Ausgaben für den Unterhalt der Verteidigungskräfte eines Landes etc.), sowie die Summe aller Bruttoinvestitionen. Eine Bruttoinvestition1- ob staatlich oder von privaten Unternehmen - ist ein angeschafftes oder produziertes Investitionsgut (z.B. eine Maschine, eine Fabrik oder ein Universitätsgebäude und seine Ausstattung), d.h. ein Gut, welches selber im weitesten Sinne produktiv ist (man nennt diese Güter auch Kapitalgüter, deren Summe den Kapitalstock eines Landes konstituieren). Wichtig dabei ist, dass Investitionsgüter darauf abzielen, unseren Konsum in der Zukunft zu erhöhen.

Als Letztes wird der Außenbeitrag hinzugefügt (Exporte abzüglich der Importe). Die folgende Übersicht zeigt diese Berechnungsmethode beispielhaft für Deutschland im Jahre 2000:

+ Private Konsumausgaben

1 214,16 Mrd. €

+ Konsumausgaben des Staates

391,91 Mrd. €

+ Bruttoinvestitionen

449,18 Mrd. €

+ Exporte

688,39 Mrd. €

- Importe

681,14 Mrd. €

= Bruttoinlandsprodukt

2 062,50 Mrd. €

Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland

Das Statistische Bundesamt berechnet das BIP sowohl nach der Entstehungs- als auch nach der Verwendungsseite.2


1Von Bruttoinvestitionen spricht man deswegen, da es sich um die Investitionstätigkeit handelt, welche sowohl den Ersatz abgeschriebener Kapitalgüter (den sog. Ersatzinvestitionen) als auch Neuinvestitionen umfasst.
2http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/Inlandsprodukt/content75/InfoInlandsprodukt,templateId=renderPrint.psml

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